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Abschiedsfahrt nach Saalfeld zur BR 95.0 am 03.05.1981


Im Frühjahr 1981 waren genug "U-Boote" nach diversen "Germanisierungen" mit hinreichender Zuverlässigkeit in Betrieb, um die rund 60 Jahre alten Loks der Baureihe 95 aufs Altenteil zu schicken. Im Prinzip gab es im Mai 1981 im Bw Probstzella nur noch eine einsatzfähige Lok dieser Baureihe, welche an verschiedenen Tagen in einem eintägigen Umlauf zwischen Sonneberg und Saalfeld zum Einsatz kam, auch um das Heizöl aus den Bunkern der Bw Sonneberg und Probstzella aufzubrauchen. Also, nichts wie hin zum Abschiednehmen zu dieser reizvollen Strecke!

Am 02.05.81 finde ich mich gegen 22.30 Uhr in Dresden-Neustadt ein, um mit D 450 in Richtung Thüringen zu fahren. Es ist Sonnabend, und der Zug ist ziemlich leer, so daß ich ein eigenes Abteil zum Schlafen finde. Nur leider sind die Sitze eines DB-Bm 234 zum Schlafen nicht sonderlich geeignet. Weich sind sie ja, aber die Knubbel der Seitenlehnen stören doch mächtig. Nach einem Dresdner Hellen finde ich aber trotzdem Schlaf und werde auch rechtzeitig in Erfurt wach, um auszusteigen. Die Erfurter Mitropa empfängt mich rauchgeschwängert und voller Trunkenbolde bzw ihrem Zug entgegendämmernden Existenzen, mir bleibt nichts anderes übrig, als die nächsten zwei Stunden bei einer Tasse lauwarmen Kaffees und Wienerwürsten, die ihr Aroma schon an die Brühe im Kochkessel abgegeben haben, zu verbringen. Schließlich bringen mich P 9005 nach Arnstadt und P 8033 nach Saalfeld.


In Saalfeld gilt es, sich erst einmal der BR 01 zu widmen. 01 0517 steht abfahrbereit mit
E 800 im Bahnhof, der Lokführer schaut sinnend auf die umfangreiche Fahnenpracht anläßlich des vergangenen Maifeiertages. Viel Zeit bleibt nicht, auf die Brücke am Bw zu kommen, da fährt der Zug auch schon aus. Die Sonne geht langsam auf, als der Zug beginnt, die Steigung nach Unterwellenborn zu erklimmen. Die Widrigkeiten der Nacht sind vergessen......

01 0517 in Saalfeld 01 0517 in Saalfeld
01 0517 in Saalfeld

Lange schaue ich den in einer langen Rechtskurve verwehenden Rauchwolken hinterher. Aber was kommt denn da? 44 0601 will sich still und leise mit ihrem Dg an mir vorbei in den Bahnhof schleichen - schnell die Kamera gezückt und sie auf den Film gebannt (wenn auch nicht ganz scharf!).  Zeit für ein Frühstück in der 07.00 Uhr öffnenden Mitropa-Bahnhofsgaststätte, denn erst gegen 09.00 Uhr wird 95 0027 mit ihrem P 18002 in Saalfeld erwartet.

44 0601 erreicht Saalfeld

Frisch gestärkt begebe ich mich zum Bahnsteig, wo auch pünktlich 95 0027 mit ihrem Personenzug einfährt. Am Bahnsteig 5 wurde inzwischen E 802 bereitgestellt, an Sonntagen beginnt er in Saalfeld. 01 0510 soll diesen Zug nach Leipzig bringen und präsentiert sich zum "Fotoshooting". Auch
95 0027 findet sich in ihrer Nähe ein, um ihre Wasservorräte zu ergänzen. Aber doch kein Wasser verschwenden! Da springt der Heizer auch schon herbei, erhält aber beim Zudrehen des Wasserkranes eine kräftige Dusche.

95 0027 in Saalfeld 01 0510 in Saalfeld
95 0027 und 01 0510 in Saalfeld 95 0027 in Saalfeld 95 0027 und 01 0510 in Saalfeld

Jetzt gilt es, schnell an die Rampe nach Unterwellenborn zu gelangen, wo 01 0510 sich auch schon anschickt, diese anzugehen. Eine kräftig arbeitende 01 an sich vorbeifahren zu

01 0510 in Saalfeld

lassen, ist immer wieder ein Erlebnis für Augen und Ohren! Schwer hängen die Wagen am Zughaken, als sich der Zug in der scharfen Rechtskurve nach Unterwellenborn entfernt!

01 0510 verläßt Saalfeld

95 0027 in Saalfeld
95 0027 bei Lichte 99 0027 in Saalfeld

Inzwischen hat 95 0027 im Bahnhof ihren P18003 bespannt, den sie in über zweistündiger Fahrt nach Sonneberg bringen wird. (Mit Umsteigen in Kronach waren die Sonneberger früher viel schneller in Saalfeld!) Einen Pkw habe ich heute nicht gefunden, die (West-) Fahrer scheuen wegen der nahen Grenze die Mitnahme eines "Ossis". So beschließe ich, im Zug mitzufahren und die Reise über die sehr reizvolle Strecke einfach zu genießen....

Und da geht es auch schon los, zuerst (bis Probstzella) sogar recht flott. Aber dann fährt der Zug über die Nebenbahn, welche sich bis Sonneberg durch die Berge schlängelt. Einige Täler sind auf Viadukten zu überwinden. Da eine Tenderlok nur einen begrenzten Wasservorrat mit sich führen kann, muß nach einer Stunde Fahrzeit Wasser genommen werden. Der Zug mit seinem reizvollen Uralt-Packwagen hat dazu in Lichte einen Aufenthalt.

95 0027 in Lichte 95 0027 in Lichte
95 0027 in Lauscha

In starkem Gefälle nähert sich der Zug der Spitzkehre von Lauscha, wobei rechts unten das weiterführende Gleis nach Sonneberg zu sehen ist. Die Lok muß den Zug vom Bahnsteig zurückdrücken, um ihn zu umfahren, und schiebt ihn dann wieder an den Bahnsteig zur Ausfahrt zurück. Eine umständliche Technologie, aber für die damals steuerwagenlosen Züge erforderlich, da in Lauscha am Bahnsteig keine Umfahrmöglichkeit besteht.

95 0027 in Lauscha
95 0027 in Sonneberg

Schließlich hat der Zug Sonneberg erreicht und die Lok verschwindet zum Restaurieren in's Bw. Sonneberg ist von der deutschen Teilung überproportional betroffen: Alle Wege in den Rest der DDR führen über die Kämme des Thüringer Waldes, was das Verlassen dieses Kreises zu einer langwierigen Angelegenheit macht. Eine Eintagesreise in die Hauptstadt ist sinnvoll nicht möglich. Aber genug des Räsonierens, die Lok kehrt zurück und bespannt unseren Wagenzug, nun als P18004 nach Saalfeld.

95 0027 in Sonneberg

In Lauscha liegt das Einfahrgleis diesmal günstiger und die Sonne scheint, so daß es sich lohnt, einen Blick auf das repräsentative Empfangsgebäude zu werfen. Nach dem Zurückschieben des Zuges ist erneut ein Besuch des Wasserkranes erforderlich, ein lohnendes Fotomotiv in der Nachmittags- sonne. Jetzt geht die Fahrt erneut über den Kamm des Thüringer Waldes, und der unter Fans wohlbekannte Viadukt von Lichte wird überquert.

95 0027 in Lauscha 95 0027 in Lauscha
95 0027 auf dem Viadukt von Lichte

Mein Zug ist in Saalfeld angekommen, und die Lok verabschiedet sich zum erneuten Besuch des Wasserkranes. Sie stiehlt der danebenstehenden BR 132 die Schau, wenn man bei den heulenden Tönen, die diese Lok hervorstößt, überhaupt von Schau sprechen kann! Und das soll der Fortschritt sein... Ich begebe mich nach einem kurzen Mitropa- Aufenthalt zum E 806 nach Leipzig/Stralsund, einem schweren Zug aus Modernisierungs- wagen, eine Quälerei für die Leipziger 118 durch das Thüringer Bergland!

95 0027 in Saalfeld

Immerhin wird Gera pünktlich erreicht, so daß ich in D 1453 nach Karl-Marx-Stadt umsteigen kann, von wo mich P 5651 dann nach Dresden bringt.
Ich hoffe, mit dieser Erzählung ein wenig Erinnerungen beschworen und/oder Interesse an der Eisenbahngeschichte geweckt zu haben. Der gesamte Set umfaßt 35 Bilder, die alle in das Bildarchiv eingestellt wurden. Zum privaten Gebrauch können die Bilder heruntergeladen werden. Für darüberhinausgehende Verwendung lesen Sie bitte unter         
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