94 1292 am 25.02.1984 mit einem Intraflug-Sonderzug von Rennsteig über Schmiedefeld (a R) nach Arnstadt



bin ich mit P 19045 in fast zweistündiger Fahrt zum Bahnhof Rennsteig gelangt. Den inzwischen ab Arnstadt mit 94 1292 bespannten Intraflug-Sonderzug haben wir in Ilmenau überholt, so daß es sich doch lohnen müßte, ihn in der Steigung zum Rennsteig hoch zu erwarten. Genug Zeit habe ich, denn vorher folgt noch (der leider unfotografierte) P 19047 mit den Kurswagen aus D 752 von Leipzig. Tief verschneit ist der Kamm des Thüringer Waldes, zum Glück ist die Landstraße beräumt, so daß mir nur ein kurzer Abstecher durch den tiefen Schnee zur Strecke hin zu überwinden bleibt.


Stille. Nur von der nahen Landstraße sind dann und wann Autogeräusche zu vernehmen. Aber doch: War da nicht weiter unten eine schwer arbeitende Dampflok zu vernehmen? Angestrengtes Lauschen. Ja, da ist auch schon eine Dampfwolke zu sehen, mit einem schwarzer Punkt darunter, welcher näher und näher kommt und dabei größer wird! Noch dämpft der Schnee die Geräusche der sich den Berg heraufarbeitenden 94 1292 mit ihrem Sonderzug.... Aber näher und näher kommt das Dampfspektakel! Die Lok auf ihrer Stammstrecke, da kann sie zeigen, was in ihr steckt! Vergessen sind die Widrigkeiten der Anfahrt, das wegen dem frühen Aufbruch fehlende Frühstück im Hotel! Gleich wird die Maschine tosend an uns vorbeiziehen....!

Kurz vor dem Bahnhof Rennsteig hat die Schneehöhe ihr Maximum erreicht. Der Zug hat noch keine Einfahrt, da P 19040 gerade umfährt. Aber dann! Ein letztes Aufbäumen der Steilstreckenmaschine und im Nebel rollt der Sonderzug in den Kopfbahnhof hinein. Schnell zum anderen Gleis Richtung Schmiedefeld gelaufen, da verläßt der Zug mit der jetzt am Schluß laufenden Lok bereits den Bahnhof, staunende Skiläufer säumen seinen Weg! Der letzte Planbetrieb mit Dampfloks ist doch schon einige Jahre her...


Ein freundlicher Autofahrer bietet mir die Mitfahrt an, so daß ich schon wenig später den im herrlichen Rauhreif liegenden Bahnhof Schmiedefeld am Rennsteig erreiche. Eine märchenhafte Landschaft umfängt mich! Der Zug hat hier seinen Wendebahnhof erreicht, hier müssen beide Loks (am anderen Ende: 118 693) vertauscht werden, über die Rangierbewegungen gilt es, erforderliche Absprachen mit der Aufsicht zu treffen. Gemächlich setzt die Dampflok kurz darauf an der Ladestraße und am schmucken Empfangsgebäude vorbei zum anderen Bahnhofskopf um, während ein dienstbarer Geist die altertümliche Sicherungstechnik bedient. Eine kurze Fotopause schließt sich an, ein bißchen hier durchaus berechtigte Eitelkeit sollte man der Lok nicht absprechen, solch eine Gebirgslok sieht doch umgeben von weißer Pracht wunderschön aus, finden Sie nicht auch? Und noch ein letztes Portrait vor dem im Rauhreif erstarrten Wald, dann setzt sich die Lok an den Zug und wir fahren an die Steilstrecke.....


Da warten wir am BÜ "Schleusinger Straße" nicht weit vom Kopfbahnhof Rennsteig auf den Zug. Um aufwendige Rangiermanöver zu umgehen, zieht 118 693 das Stück bis dorthin den Berg hinauf. Ein Beimann auf dem Führerstand begutachtet während der Fahrt die Wagenschlange.... Nö? Sie haben Recht: Den Platz für den Beimann im Führerstand nimmt ein engagiert die Kamera schwenkender Filmer ein, vielleicht von "Eisenbahnromantik"? Immerhin ist mir nichts von einem "Herausfallunfall" während der Fahrt zu Ohren gekommen. Aber nun zu unserer Dampflok am Zugschluß! Wacker schiebt sie am Speisewagen nach, während innen einige Fahrtteilnehmer unbeeindruckt dinieren. Nun, mich hätte es allerdings mehr zu einem geöffneten Fenster gezogen, um die Töne der schwer arbeitenden Lok auch möglichst hautnah zu erleben. Ja, solche Gedanken gehen einem durch den Kopf, als die Lok bullernd und zischend in der winterlichen Märchenlandschaft in Richtung Rennsteig verschwindet.


Der Zug hat zügig "Kopf" gemacht, und 94 1292 führt wieder, allerdings mit Tender voran. Und jetzt ist mehr die Kraft der Bremsen, einschließlich der Gegendruckbremse, gefordert! Wieder ein Bahnübergang, wo schon die Fans warten. Und hinter ihm beginnt das starke Gefälle entlang des Göpfersbaches, im Maximum sind es 59 Promille! Früher gab es hier einen Zahnstangenabschnitt, welcher mit Indienststellung der preußischen T 16, der späteren Baureihe 94, aufgegeben werden konnte.


Im Tal der Lengwitz, schon 150 Meter tiefer, wird Stützerbach erreicht. Hinter dem Bahnhof poltert die Lok über diesen reizvollen gemauerten Viadukt mit Stahlträgererweiterung. Schnee liegt hier auch noch, nur nicht mehr in solcher Menge wie am Rennsteig. Aber Nachschub fällt vom Himmel!

Langsam senkt sich die frühe Dämmerung über das Land, als der Bahnhof Manebach mit seinem reizvollen Fachwerk-Empfangsgebäude hurtig durchfahren wird. Inzwischen hat sich die Lengwitz am Ortsausgang von Stützerbach mit dem Freibach zum Flüßchen Ilm vereinigt, die Strecke folgt ihm bis Ilmenau.


Hinter Ilmenau verläßt die Bahn das Ilmtal, um kurvenreich über die Hügel schließlich das Tal der Gera zu erreichen. Auch in der Dämmerung sind noch Fotografen aktiv, wenn auch nur noch mit mäßigem Erfolg, hier bei Geraberg.

Und kurz vor Plaue wird der unter Eisenbahnfreunden bekannte Viadukt von Angelroda überquert. Wieviel Bilder sind hier wohl schon geschossen worden?! Und: Ist es nicht wieder ein kleines bißchen heller geworden?

Auch diese hübsche gemauerte Brücke ist erforderlich, da die Bahnstrecke in Plaue an die dort noch ziemlich hochliegende Hauptbahn von Meiningen angebunden ist, welche sich erst in Arnstadt auf das Niveau des Flüßchens Gera absenkt.


In Plaue wurde die Hauptstrecke erreicht, nun geht es flott voran. Schnell dampft unser Zug an der Blockstelle Siegelbach vorbei auf Arnstadt zu.